Die Arbeit mit aggressiven Hunden sollte vor Allem eines sein – unspektakulär.

Die Arbeit mit aggressiven Hunden sollte vor Allem eines sein – unspektakulär.

Irgendwann gab ich mal ein Webinar zum Thema Aggression – auch Videos waren angekündigt. Diese jedoch sollten nur einen kleinen Raum in dieser Zeit einnehmen. Ich referierte also so vor mich hin und zwischen all den sinnvollen Fragen, flimmerte immer und immer wieder ein „Wann kommen denn die Videos?“ im Chatfenster.

Dieser Teilnehmer fiel mehr sehr auf. Zum einem, weil er den Ablauf erheblich störte und zum anderen, weil ich mich immer wieder fragte, warum genau er so heiß auf diese Videos war. Zeigten sie doch sowieso nur die Spitzen des Eisberges. Das Ende vom Lied war, dass ich dem guten Mann erklärte, das die Videos WIRKLICH nicht so wahnsinnig wichtig sind und erst gaaaanz am Schluss kommen, sondern das drumherum (Wieso, Weshalb, Warum) das eigentlich Wesentliche ist.

Er verlies also das Webinar. Uiii, das ist mal ne Ansage. Nun fragte ich mich anschließend, wie der gute Mann wohl trainieren möchte. Er fand Aggression spannend – in jedem Fall. Aber kann jemand, der davon ausgeht, dass die Arbeit mit Aggressionen auf jeden Fall spektakulär sein müsste, effektiv und nachhaltig arbeiten.

Heftiger Hund – heftiges Training? – Ich zweifle. Dinge wie Stimmungsübertragung, innere Haltung, „pro Hund“, Individualität und so weiter wuseln dazu in meinem Kopf.

Ich persönlich bin der Meinung, dass wenn ein Hund sich im aktiven Training befindet, die Spektakularität in der Optik, schnellstens verschwinden sollte. In vielen Fällen im Handling von Attacken, bewegen wir uns im Selbstschutzbereich, nicht wie häufig angenommen in der „Therapie“.

Klar, ist es sinnvoll einem Hund zu erklären, dass er mit Beissen nicht an sein Ziel kommt. Dennoch sollten wir uns klar machen, dass wir uns im reinen Aggressionberreich – Funktionskreis Sozialverhalten – in der Kommunikation befinden. Heisst – der Hund teilt uns etwas mit – vielleicht nichts Nettes – aber er redet wenigstens mit uns.

So erscheint es doch nur logisch, dass mit einem Hund, der uns in der vierten Trainingseinheit immer noch um die Ohren fliegt, irgendetwas in der Kommunikation hakt. Vielleicht wäre es also sinnvoll, die eigene Haltung zu überdenken. Was genau will er eigentlich? Was genau will ich eigentlich? Warum verhält der Vierbeiner sich so und wo fängt das Ganze überhaupt an? Sinnvoll ist es dort anzusetzen wo ein vernünftiges Gespräch noch möglich ist.

Dort, wo beide Seiten im Besten Fall mit einem guten Gefühl herausgehen können. Wo unser Adrenalinpegel überhaupt noch Beobachtungen zulässt. Ein jeder weiß, dass Gespräche in höchster Emotionalität, meist zu keinem befriedigendem Ergebnis führen. Ich muss nicht bei einer Annäherung an einen Hund, in dem Moment wo er anfängt sich anzuspannen, volle Kanne reinbrettern. Was wäre denn zum Beispiel mit dem Versuch einmal an dieser Stelle zu bleiben und zu schauen, was er aus der Situation macht.

Ich schreibe keineswegs davon, einen Rückzieher zu machen, wenn ich mit einem eventuellem Echo Leben kann. Auch denke ich nicht, das ein Hund so nie wieder Grenzen überschreiten würde – wahrlich nicht! Wer mich kennt weiß, dass ich ein Freund davon bin, einem Hund zu erklären, dass ich nicht gebissen werden möchte und diesen Standpunkt auch vertrete. Aber ich bin der Meinung, dass gerade die Arbeit im Kleinen die Effektivität eines Training beträchtlich steigert.

Ich muss zugeben, dass ich diese spektakulären Momente und das Adrenalin in der Arbeit mit Aggressionen mag – dennoch erfreue ich mich daran, wenn Hund und Halter weiterkommen. Weil die Arbeit mit diesen Hunden auch für Nicht-Hunde-Nerds umsetzbar wäre. Weil positive Erlebnisse und Bilder geschaffen werden und Dinge funktionieren können.

…Klingt alles total selbstverständlich oder?

Ist es aber nicht.

PS: Jaaaa, ich weiß! Bei manchen Hunden ist dann doch wieder alles anders 😉